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60er Jahre

Die 60er Jahre – Umbenennung in Staatliche Realschule Regen

Die Schulleitung, die Verwaltung und die Frontkämpfer teilen sich noch immer 12m². Aber es gibt auch Erfreuliches: wegen eines verstopften Abflussrohres in der Marienschule kommt die Schule in den Genuss von „Stinkferien“. Schade für die Schülerinnen und Schüler, dass die Reparaturen nicht wie heute EUweit ausgeschrieben werden mussten. So wurde der Schaden binnen einer Woche behoben. Die Lehrer erhielten 1965 eine neue Amtsbezeichnung: Realschullehrer – und durften dafür auch am Samstag unterrichten. Diese Neuformatierung wurde gebührend gewürdigt, indem das Kollegium zum 10jährigen Jubiläum „Die lieben Verwandten“ von Ludwig Thoma aufführte. Die Hauptrollen wurden dabei u. a. von Martha Jung und Heinz Peter besetzt. Man stelle sich das heute vor. „Der Firmling“ von Karl Valentin, in den Hauptrollen die Konrektoren Stefan Spindler als Onkel und Manfred Pfrang als Firmling!

Die Umbenennung in Realschule kam so überraschend, dass die Abschlusszeugnisse noch mit dem „Mittelschule“ gestempelt wurden, sehr zum Ärger der Klassleiter, die per Hand und Schreibmaschine alle Zeugnisse im Eiltempo neu schreiben und abstempeln mussten.

Der STERN-Affäre im Herbst 1962 wird ein eigenes Kapitel gewidmet.

Zahlreiche Fahrschüler besuchten die Realschule Regen, unter ihnen war auch Franz „Karmann, Sparkasse Zwiesel“. Wer ihn kennt, kann es kaum glauben. Er erinnert sich gerne an seine Fahrschülerzeit, denn zwischen Bettmannsäge und Regen spielte er im Zug seinen einzigen „Sie“ im Schafkopfen. Seinen Mitspielern Gerhard Zitzelsberger, heute Drogist in Bayerisch Eisenstein, Albert Fritz, heute Revisor Dresdner Bank und Karl-Heinz Kapfhammer, heute kfm. Leiter Stadtwerke Zwiesel kostete der Spaß 30 Pfennig pro Mann. Dass sie im Zug Karten spielten statt sich auf Mathe vorzubereiten, hat ihnen karrieremäßig offensichtlich nicht geschadet. Diese Fahrschüler – um den täglichen Anmarsch abzukürzen, begaben sie sich im Winter öfter aufs Eis. Beim Bachl überquerten sie den zugefrorenen Regen und marschierten am Zellner Hof zur Schule. Etliche sollen dabei im Eis eingebrochen sein, hört man. Zugeben will es keiner.

Noch eine Schulanekdote (bayerisch „Huderl“) gefällig? Der sittenstrenge Herr Peter war es aus Amerika nicht gewohnt, dass die jungen Damen die ganz kurzen Miniröcke trugen. So ermahnte er Annemarie Wagner, heute heißt sie Thum, mit den Worten: „Annemarie, wir sind hier nicht in der Bar!“

Philosophiert haben die „68er“ gerne und oft, auch im Unterricht vor lebenshungrigen Buben und Mädchen. Zitat Chemielehrer Alois Foit zur Molekularbiologie: „Moleküle, die einmal getrennt worden sind, wollen möglichst bald wieder eine neue Verbindung eingehen. Das ist wie bei geschiedenen Frauen, die wollen auch wieder möglichst schnell eine neue Verbindung eingehen.“ Das Zitat stammt aus dem Erinnerungsschatz des damaligen Schülers Egon Thum, heute Leiter des Standesamtes in Zwiesel.

Kreativ waren sie auch, die Schülerinnen und Schüler, nicht nur im Kunstunterricht. Die Namensgebung einzelner Lehrer zeigt von enormem Einfallsreichtum: Zorro, Cool, Zirperl!

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