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Wie der Realschul-Namensgeber um den gefallenen Sohn trauert
Siegfried von Vegesacks Nachruf „Mein Junge“ prägt 2. Band – Vorstellung am 130. Geburtstag

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(Bayerwald-Bote) Seit fast 18 Jahren trägt die Realschule Regen den Namen Siegfried von Vegesack. Der Dichter und Schriftsteller, der im Turm der Burgruine Weißenstein gelebt hat, wurde am 20. März 1888 geboren. Und zum 130. Geburtstag hat der Förderverein „Weißensteiner Burgkasten“ den zweiten Band der Reihe „Weißensteiner Miniaturen“ herausgegeben. Das Büchlein, das unter dem Titel „Mein Junge“ das kurze Leben von Vegesacks gefallenen Sohn Gotthard beschreibt, wurde am 130. Geburtstag des Dichters in der Aula der Realschule vorgestellt. Diesen Part übernahm Autorin Barbara von Schnurbein, die Vorsitzende des Fördervereins. In seiner Begrüßung erinnerte Schulleiter Michael Vogl auch an den 20. Juni 2000, als die Realschule durch die damalige bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier den Namen Siegfried-von-Vegesack-Realschule verliehen bekam. „Das war eine gute Namenswahl, die Realschule hat sich prächtig entwickelt, Siegfried von Vegesack würde sich freuen“. An der Realschule Regen würden Werte vermittelt, für die auch der Dichter eingetreten sei. Die Realschule habe die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus“ erhalten; die Acht- und Neunklässler, die die aus der Grundschule gekommenen Kinder bei Anfangsschwierigkeiten unterstützen, heißen „Siegis Schulstarthelfer“, und im Vorjahr habe sich die jetzige Klasse 10b im Rahmen einer Projektarbeit intensiv mit Leben und Wirken des Namensgebers beschäftigt. Als herausragende Persönlichkeit, der mit Regen sehr eng verbunden war, bezeichnete Bürgermeisterin Ilse Oswald den Dichter, der mit den damaligen Bewohnern der Ortschaft Weißenstein einen unkomplizierten Umgang gepflegt habe. Vegesacks Werke seien geprägt von tiefgründigen Gedanken und anschaulichen Wortspielen. Nicht unerwähnt ließ die Bürgermeisterin, dass Personen, die sich bei der Kulturpflege große Verdienste erworben haben, von der Stadt Regen mit der Siegfried von Vegesack-Medaille ausgezeichnet werden.

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„Wir haben anfangs mit dem Namen Siegfried von Vegesack nicht viel anfangen können“, gestand Schülerin Nancy Greiner. Mit zunehmendem Alter habe der Wissensdurst aber zugenommen. „Das Projekt hat uns die Augen geöffnet. Siegfried von Vegesack war mehr als ein Schriftsteller, er war weltoffen, fortschrittlich, vielseitig interessiert – ein Mann mit Rückgrat und nachahmenswerten Charaktereigenschaften.“ Im Rahmen der Projektarbeit, die Lehrerin Rebecca Kroner mit den Schülern erarbeitet hatte, entstand auch ein Kurzfilm, der auf Burg Weißenstein gedreht und bei der Buchvorstellung vorgeführt wurde. Die Schüler Luca Rank, Anton Hofbauer, Josef Pichler, Laura Brockhaus und Franziska Ebentheuer glänzten nicht nur als Schauspieler in historischen Kostümen, sondern zeichneten auch für Kameraführung und Tontechnik verantwortlich. Beim Projekt ebenfalls dabei: Martin Hammerla, Anna Stern und Lena Rothkopf, die – begleitet von Musiklehrer Roland Döringer und Lehrer Josef Brem – als Schulband für die musikalische Gestaltung sorgten. „Es ist schon etwas Besonderes, heute an den 130. Geburtstag von Siegfried von Vegesack erinnern zu dürfen“, freute sich Barbara von Schnurbein, die den zweiten Band der „Weißensteiner Miniaturen“ geschrieben hat. Die Vorsitzende des Fördervereins, eine profunde Kennerin von Leben und Werken des Dichters, erwähnte eingangs einige markante Ereignisse aus der Biografie Siegfried von Vegesacks, der in Lettland geboren wurde, 1912 Livland verließ, über Berlin nach Bayern kam, und 1918 den Burgturm in Weißenstein kaufte. Der Schriftsteller verstarb am 26. Januar 1974 und wurde am Pfahl gleich in der Nähe des Burgturms beerdigt. Im Büchlein bildet der Nachruf „Mein Junge“ den Hauptteil, sagte Barbara von Schnurbein. Den Zyklus von 38 Gedichten, der nur einmal (1958) publiziert wurde, habe Vegesack in elf Tagen in Weißenstein geschrieben, nachdem die Familie erfahren hatte, dass Sohn Gotthard am 30. März 1944 in der Ukraine gefallen war. In diesem Zyklus, der ein Bild der damaligen Zeit darstelle, habe Vegesack sowohl seine Verzweiflung zum Ausdruck gebracht, sich aber auch an fröhliche Erlebnisse mit seinem Sohn erinnert. Die Autorin verlas vier Gedichte und schilderte dann, dass Gotthards Mutter, Vegesacks erste Frau Clara Nordström, ganz anders reagiert und der Trauer kaum Raum gegeben habe. In ihrem Buch veröffentlicht Barbara von Schnurbein weitere Texte von Clara Nordström zu Gotthards Leben (Familie, Schule, Kriegsdienst) sowie Briefauszüge von Vegesacks zweiter Frau Jella, die mit den beiden Kindern aus Vegesacks erster Ehe gute Beziehungen pflegte. „Ich hoffe, dass durch die Lektüre der Wille zum Frieden gestärkt wird und der Band auch junge Menschen zum Nachdenken anregt“, schloss die Autorin. Sie kündigte an, dass Band 3 bereits im Oktober erscheinen wird. Darin geht es um die Golo-Mann-Affäre im Jahr 1968, zu der Siegfried von Vegesack Stellung bezogen hatte. Für die Realschule gab es anlässlich des 130. Geburtstages ihres Namensgebers noch zwei Geschenke: Für die Stadt überreichte Glaskünstler Manfred Homolka eine meisterlich gestaltete Vase, der Förderverein übergab ein von Annemarie Pletl gemaltes Bild, auf dem sie Siegfried von Vegesack mit einem seiner geliebten Dackel porträtiert hat.

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