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In der Realschule ist der Wahlkampf entbrannt
In einer Simulation spielen die 10. Klassen Bundestagswahl – 13 Parteien auf dem Stimmzettel

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(Bayerwald-Bote) Wahlkampf in der Schule? In der Regener Realschule hat man da keine Berührungsängste. Die Vertreter von DIP, MUT, UfD und GfA dürfen ungehindert für ihre Parteiprogramme werben. Ja, sie sollen es sogar, am Freitag hörten sich Schulleiter Michael Vogl und seine Stellvertreterin Simone Üblacker ganz begeistert die Wahlkampfredner an. Und blätterten in den Flyern mit den diversen Parteiprogrammen. Mit dem aktuell anlaufenden Landtagswahlkampf hat das, was in den zehnten Klassen der Siegfried-von-Vegesack-Realschule vor sich geht, nichts zu tun. Zumindest inhaltlich. „Wir haben das 2017 vor der Bundestagswahl zum ersten Mal gemacht“, sagt Lehrer Sebastian Eibner zum Projekt „Bundestagswahlsimulation“. 2018 ist wieder ein Wahljahr, und die Simulation steht wieder auf dem Stundenplan. Simone Üblacker kann sich mittlerweile gut vorstellen, sie zur festen Einrichtung zu machen. „Das ist beeindruckend, wie die sich reinhängen“, sagt sie, „und dabei sagen sie oft vorher, Politik interessiert mich eigentlich nicht sonderlich.“ In acht Unterrichtsstunden setzten sich die Dreier-, Vierer- oder Fünfer-Gruppen zusammen und erabeiteten ihre Parteiprogramme inklusive griffigem Kürzel. Flyer wurden gestaltet und gedruckt, Plakate gemalt, Powerpoint-Präsentationen gestaltet.

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Bei 13 Parteien ist es nicht mehr so leicht, beim Wähler im Gedächtnis zu bleiben – auch mit diesem Problem mussten sich die Wahl-Strategen befassen. Die SFM zum Beispiel hatte sich nicht nur den Schutz für Menschen auf die Fahnen geschrieben, sondern auch das Papiersparen, wie Julia Grutke erklärte – weshalb sie keine Flyer verteilte, sondern nur Visitenkarten mit einem QR-Code, über den der Smartphone-Nutzer auf die SFM-Homepage gelangt. Die eine Gruppe suchte ihr Profil im Tierschutz (MUT, Menschen, Umwelt, Tiere), die andere sprach eine Berufsgruppe an (Soziale Landwirtschaftspartei Bayern, SLB). Da gibt es die Demokratische Partei Deutschlands (DPD) und die Liberale Partei Deutschlands (LPD), die Ökologische Wirtschaftspartei (ÖWD) und die Gruppierung „Gerechtigkeit für alle“ (GfA). An ganz linke oder rechte Positionen wagte sich keine Gruppe heran, „aber erlaubt war alles, was sich innerhalb der Verfassung bewegt“, sagt Sebastian Eibner. Am Freitag wurde es dann für die 10 a und die 10d ernst: Vor der versammelten „Wählerschaft“ stellten die Parteisprecher ihre Programme vor. Und da war neben den unvermeidlichen Allgemeinplätzen („Schaffung von Arbeitsplätzen“, „mehr Gerechtigkeit“, „bessere Schulbildung“) auch recht handfeste Positionen zu hören. Etwa die Legalisierung von Cannabis oder das Gratis-ÖPNV-Ticket für die Frauen, die Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut haben. Hier wurde das neue Schulfach Allgemeinwissen gefordert, dort ein Verbot der Massentierhaltung oder die Verstaatlichung von kirchlichen Schulen. Am heutigen Montag sind die beiden anderen 10. Klassen an der Reihe mit ihren Präsentationen. Und dann geht es in die Wahlkabine: Jede Klasse wird für die jeweilige Partnerklasse zum Wahlvolk, jeder Wähler kann auf dem Stimmzettel Erst- und Zweitstimme vergeben.

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