Rassismus LogoLogo Wir sind Fairtrade School

Klare Ansage: Mobbing ist nicht cool!
Mit zwei selbst gedrehten Filmen bringt die 9c der Realschule das Thema unter die Fünftklässler

Projekt 9c

(Bayerwald-Bote) Eine abfällige Bemerkung. Ein Tuscheln. Ist das schon Mobbing? Oder muss erst beschimpft oder geschubst werden? Wie es zu Ausgrenzung kommt und wie ein Mobbing-Opfer sich wehren kann, damit beschäftigen sich die 23 Schüler der Klasse 9c der Siegfried-von-Vegesack-Realschule seit etwa einem halben Jahr. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist ein Anti-Mobbing-Projekt, das am Donnerstag den Praxis-Test bestanden hat.
In der Mensa präsentierten die Neuntklässler nacheinander den drei fünften Klassen ihre beiden Filme über zwei fiktive Mobbing-Fälle – mit einem guten und einem offenen Ende. In Kleingruppen setzten sie sich dann mit den Fünftklässlern zusammen, um das Thema zu vertiefen. Nicht erst, als ein Mädchen aus einer fünften Klasse dabei in Tränen ausbrach und von eigenen Erlebnissen zu erzählen begann, war den „Großen“ klar: Sie haben mit ihrem Thema einen Nerv getroffen.
„Jeder hat das Recht, sich an der Schule wohlzufühlen“, ist Stefan Hafner überzeugt. Er ist nicht nur Klassenlehrer der 9c, sondern seit vielen Jahren Vertrauenslehrer der Schule. Hafner weiß, wie wichtig es ist, nicht wegzuschauen und zeitig einzugreifen. „Jeder hat die Pflicht zu handeln“, ist Hafner überzeugt. Auch den Jugendlichen ist klar, dass es nicht allein um den Mobber und sein Opfer geht, sondern stets auch das Umfeld, etwa die Klasse, betroffen ist. „Die Schule zu wechseln bringt meist nichts, der gemobbte Schüler nimmt ja seine angreifbare Persönlichkeit mit“, gibt der Pädagoge zu bedenken.

Wie er wissen auch die Neuntklässler: Es gibt Erfolg versprechende Strategien, wie Gemobbte sich wehren und Hilfe suchen können. Der Vertrauenslehrer, die Schulpsychologin und der Direktor werden als Ansprechpartner empfohlen. Diese Strategien kommen nicht nur in dem Film mit dem guten Ende vor, sondern auch in der anschließenden Aussprache. Die Filme enden mit einer klaren Botschaft: „Mobbing ist nicht cool“.
„Was hat der Betroffene falsch, was hat er richtig gemacht?“ Solche Fragen diskutiert die 9c an ihrem Aktionstag mit den Fünftklässlern. Klassenlehrer Hafner und Deutschlehrerin Gerlinde Berger, die die 9c bei diesem Projekt begleitet und unterstützt haben, sind in der Mensa Zuhörer. Die Neuntklässler führen Regie. Wie sie es auch bei ihren beiden Filmen, acht bzw. elf Minuten lang, gemacht haben. Sie haben die Drehbücher geschrieben, die Rollen verteilt, gedreht, das Filmmaterial geschnitten, nachgebessert und nachgedreht, erzählen Tamara Schmid, Bianca Weinberger und Marco Schweikl von der sechsmonatigen Arbeit. In Klassenzimmern, der Aula, der Turnhalle, im Direktorat und auf dem Schulhof haben die Kameraleute aus der 9c gedreht. Sechstklässler bekamen Rollen als Statisten.
Das Thema Ausgrenzung war für die Schüler der 9c nicht neu. Schon im vorherigen Schuljahr hatten sie sich für die Aktion „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ ebenfalls mit Filmdrehs damit beschäftigt - damals allerdings im Englisch-Unterricht.
Mit Erleichterung beobachtete die Film-Crew jetzt bei ihrer Präsentation der beiden neuen Filme, dass sie ihre Mitschüler aus den fünften Klassen mit ihrem Thema erreichten. Mit Fragen und Anmerkungen beteiligten sich die „Kleinen“ an der Diskussion. Dass die Schüler der 9c für ihr sechsmonatiges Projekt Noten bekommen – vermutlich keine schlechten – ist da eher zweitrangig. Stefan Hafner jedenfalls hält das Anti-Mobbing-Projekt für so wertvoll und gelungen, dass seine 23 Schüler auch nächstes Jahr, wenn sie in der 10c sein werden, einen solchen Projekttag mit den neuen Fünftklässlern anpacken sollen.

Zum Seitenanfang