Rassismus LogoLogo Wir sind Fairtrade School

„Die wichtigste Währung in der DDR waren gute Beziehungen“
Karl-Heinz-Döring gibt als Zeitzeuge Realschülern Informationen aus erster Hand

Zeitzeuge1

(Bayerwald-Bote) Karl-Heinz Döring fühlt sich wohl in Regen, wo er seit 1991 lebt. In seiner alten Heimat konnte davon nicht die Rede sein. Döring stammt aus Prenzlau, einer Stadt nördlich von Berlin, in der er bis zu seinem 32. Lebensjahr zuhause war. Er hat also reichlich Eindrücke und Erfahrungen aus der DDR. Deshalb besucht Döring seit vier Jahren die 10. Klassen der Siegfried-von-Vegesack-Realschule in Regen, um als Zeitzeuge von seinen Erlebnissen vor und nach dem Mauerfall zu berichten. Am Mittwoch war es wieder soweit.

Zeitzeuge2

Die Geschichtslehrer um Corina Wandinger und Sebastian Eibner hatten die Schüler sowohl theoretisch als auch praktisch auf den Besuch Dörings vorbereitet. Er bildet den Abschluss des Themas DDR bzw. Mauerfall im Geschichtsunterricht. Jeder Schüler durfte eine Frage an Döring stellen, die er stets bereitwillig beantwortete – selbst, als es privat wurde. Freizeitangebote, Arbeitsbedingungen, Ausgangssperren, Wirtschaft und Familie waren Themen, die die Schüler interessierten. Döring wurde immer redseliger – man merkte, dass mit dem Erzählen immer mehr Erinnerungen zurückkamen. Selbst als Angestellter einer Baufirma war es beispielsweise nicht einfach, an Materialien wie Zement oder Holz zu kommen. „Geld hatten viele genug, aber das, was man dafür kaufen wollte, war nicht auf normalem Weg zu bekommen“, so Karl-Heinz Döring. „Die wichtigste Währung in der DDR waren gute Beziehungen.“ Nur wer Kontakte hatte, dem war es möglich, an solche Dinge zu kommen. An DDR- Schulen war die Staatsbürgerkunde das wichtigste Schulfach, in dem sozialistische Ideologien gelehrt wurden.
Hellhörig wurden die Jugendlichen, als Döring erzählte, dass es über ihn eine Stasi-Akte gebe. Einblick in diese hat er jedoch bis heute nicht genommen. Zu groß sei die Angst zu erfahren, welche Familienangehörige oder Freunde ihn angeschwärzt haben könnten. Denn bis ins Erwachsenenalter habe er eine sehr kritische Haltung gegenüber dem Regime eingenommen. In der Öffentlichkeit durfte diese natürlich nicht zum Vorschein kommen.'
Der Mauerfall kam für ihn völlig überraschend. Noch heute bekommt er eine Gänsehaut, wenn er an den großen Tag denkt, an dem „Wessis“ und „Ossis“ wieder Gesamtdeutsche wurden.
Viel zu schnell waren die Geschichtsstunden vorbei – und die Zehntklässler um wertvolle Informationen aus erster Hand reicher.

 

 

 

Zum Seitenanfang