Pfiat di, Schul-Baustelle!
Nach 16 Jahren Erweiterung und Sanierung verabschiedet sich die Realschule von Presslufthammer und Bohrer

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(Bayerwald-Bote) Das Thema war klar an diesem Mittwochnachmittag. Neongelbe Warnwesten, Bauhelme, rot-weißes Trassierband - Bauarbeiter hatten noch ein letztes Mal das Kommando in der Regener Realschulaula übernommen. Von der Galerie baumelte eine grüne „Abrissbirne“. Die wurde in den vergangenen 16 Jahren zwar nie gebraucht, Baustelle war die Schule aber seit 1998 fast durchgehend. Dass die jahrzehntelange Sanierung jetzt abgeschlossen ist, das wurde am Mittwoch gefeiert. Es schwang fast ein Hauch von Abschied und Wehmut mit.
Die Schulaula, in der die Gäste saßen, gehörte zu den Teilen, die im ersten Bauabschnitt ab 1998 neu entstanden waren - ebenso wie der Erweiterungsbau an der Pfarrer-Biebl-Straße. Die jetzige Einweihungsfeier galt dem Altbau im Bereich Pfarrer-Biebl-/ Bodenmaiser Straße, errichtet 1950, der nach vierjähriger Bauzeit Ende 2013 fertigsaniert war.

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Mit einer rasanten Bühnenshow zum Song „Bob der Baumeister“ eröffneten die Schüler die Feier. Schubkarren, Wasserwaage, blaue Latzhosen, rote Helme und sogar ein kleiner „Firstbaum“ kamen auf der Bühne zum Einsatz. Die Begrüßung der Gäste übernahmen die Schülerinnen Julia Limbrunner und Eva Eisenreich. Und sie sorgten für Heiterkeit, etwa bei der Erwähnung der Gäste Joachim Schmitt und Manfred Pfrang von der Zwieseler Realschule, beide einst in Regen tätig: „Gell, es hätt’s aa gern so a scheene Schui - waad’s hoid einfach dobliebm!“
Landrat Michael Adam gab gleich zu, dass er zu jung sei, um die ungeheuere Bauzeit an der Schule selbst zu überblicken. „Da müssten andere weiter vor sitzen, etwa Kreisbaumeister Christian Hagenauer und Kämmerer Franz Baierl.“ Was Adam als Landrat schon selbst miterlebt und erlitten hatte, war der dramatische Bauabschnitt III mit einjährigem Baustopp. 2011 kamen die Arbeiten zum Stillstand, weil der Statiker Alarm geschlagen hatte: Bohrlöcher in der Decke könnten die Tragfähigkeit vermindern. Als Gutachter Entwarnung gaben, war der Zeitplan bereits über den Haufen geworfen . . . „Aber das Ergebnis ist großartig geworden“, stellte Adam klar. „Man ist stolz, wenn man heute an der Schule vorbeigeht.“
15 Millionen Euro hat der Landkreis seit 1998 in die Regener Schule gesteckt, fünf Millionen Euro an Zuschuss kamen vom Staat. Angesichts dessen warnte Adam augenzwinkernd Schulleiter Werner Mixa: „Jetzt darf mindestens zehn Jahre lang kein Wunsch mehr kommen!“ Der Landrat machte zugleich aber ganz ernsthaft deutlich, dass letztlich das Planen nie zu einem Ende kommt. Konkret: Die Turnhalle der Regener Realschule ist sanierungsbedürftig, und offen ist auch, was aus dem in die Jahre gekommenen benachbarten Gebäude des Landwirtschaftsamts - das dem Kreis gehört - werden soll.
Über den Begriff der Heimat sinnierte Bernhard Aschenbrenner, Ministerialbeauftragter für die niederbayerischen Realschulen. Schule sei ein ganz wesentlicher Teil von Heimat. Und man wisse auch, dass der „Wohlfühlfaktor“ bei Schulhaus und Klassenzimmer starken Einfluss auf den Lernerfolg hätten. Insofern hätten die Regener Realschüler beste Bedingungen.
Für den Elternbeirat lobte Martina Rechenmacher die Schüler, die über Jahre hinweg in den Container-Klassenzimmern mal geschwitzt, mal gefroren hatten - und doch ihren Humor nicht verloren hatten. Von jener Zeit gab ein Schüler-Quartett in Reimform Kostproben: „Die Lage wurde täglich schlimmer - ein Kampf brach aus ums Klassenzimmer“. Um so mehr genieße man jetzt den Lohn fürs Durchhaltevermögen, nämlich das Schulhaus auf höchstem Standard, mit Laptop, Beamer und Tischkamera in allen Klassenzimmern.
Fast zwei Jahrzehnte lang rang Planer Georg Oswald von der Architekturschmiede in Kirchdorf mit dem sperrigen Bauprojekt. Erste Gespräche dazu habe es schon 1996 mit dem damaligen Landrat Heinz Wölfl gegeben, erzählte der Architekt in der Einweihungsfeier. Ein sehr heterogenes Ensemble bildeten damals der Schul-Altbau und die „Marienschule“ von 1957. Die kommende R 6 verlangte eine Erweiterung - keine leichte Aufgabe für den Planer. Der wollte schließlich auch keine Schule der unendlich langen Wege schaffen. Ein Abriss der „Marienschule“ zugunsten eines großen Neubaus war schnell vom Tisch. Also errichtete Oswald einen kleineren Erweiterungsbau und verband die nunmehr drei Baukörper mit einer außergewöhnlich großen Pausenhalle. Damit sei Regen zu einer „verkappten Stadthalle“ gekommen, meint Oswald. Heute wirken die Bauteile von 1950, 1957 und 1999 wie aus einem Guss, Fassadensprache und Dachformen sind einheitlich. Und Oswald ist erkennbar stolz auf das Ergebnis, „die Schule steht zeitlos da“, meinte er.
Eine große Kollektion an Glaskreuzen hatte die Glasfachschule Zwiesel für die frisch sanierten Räume in Regen gefertigt. Die Pfarrer Matthias Schricker und Andreas Artinger segneten sie. Das Schlusswort blieb Schulleiter Werner Mixa, der dann auch das kalte Büffet eröffnen durfte. Die Schulband und eine Bläsergruppe aus Lehrern und Schülern sorgte für die musikalische Auflockerung der Feier.

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